Mehrere Verfahren der Adipositas-Chirurgie haben sich etabliert

Die Adipositas-Chirurgie umfasst verschiedene operative Maßnahmen, die zur Reduktion von übermäßigem Körpergewicht führen sollen. Dabei haben sich in Deutschland vier Verfahren durchgesetzt und werden in sehr seltenen, besonders schweren Fällen von Adipositas sogar ausdrücklich empfohlen. Bei lebensrettenden Operationen ist ein chirurgischer Eingriff unumgänglich.

Allerdings gibt es aus gleich mehreren Gründen weitreichende Kritik an der Adipositas-Chirurgie im Allgemeinen und bei einigen Maßnahmen im Besonderen. Schon deshalb wird sie erst dann angewandt, wenn alle anderen Therapiemaßnahmen zur Gewichtsreduktion gescheitert sind.

Allgemein sehen die S3-Leitlinien vor, dass die Adipositas-Chirurgie erst ab einem BMI von 40 kg/m² aufwärts angewendet wird. Bei schweren Begleiterkrankungen, wie etwa einer kritischen Schlafapnoe, besorgniserregendem Bluthochdruck oder Diabetes mellitus, können die Eingriffe auch schon ab einem BMI von 35 kg/m² durchgeführt werden. Außerdem müssen die Patienten zwischen 18 und 65 Jahre alt sein und mindestens seit drei Jahren eine ausgeprägte Adipositas haben. Die gängigsten chirurgischen Eingriffe möchten wir Ihnen kurz vorstellen.

Magenballon

Bei dem sogenannten Magenballon handelt es sich um einen Ballon, der in den Magen eingeführt und dann mit Luft oder Wasser gefüllt wird. Da dieser Ballon ohne Operation einfach über die Speiseröhre in den Magen gelangt, kann dieses Verfahren eigentlich nur bedingt zur Adipositas-Chirurgie gezählt werden. Zweck des Magenballons ist es, dass durch ihn das Magenvolumen verringert wird, wodurch der Patient weniger Nahrung verzehren kann.

Problematisch bei dieser Maßnahme ist jedoch, dass der Magenballon spätestens nach einem halben Jahr wieder entfernt werden muss, da er sich sonst im Körper zersetzt und so zu folgenschweren Komplikationen führen kann. Zudem muss der Patient die äußerst teure Maßnahme in den meisten Fällen selbst bezahlen, da zumindest gesetzliche Krankenkassen in der Regel nicht dafür aufkommen. Jedoch kann man die Kostenübernahme beantragen, falls der Ballon für einen weiteren chirurgischen Eingriff zwingend erforderlich ist.

Magenband

Eine weitere Maßnahme der Adipositas-Chirurgie ist das Magenband. Auch dieses dient der Verkleinerung des Magenvolumens. Allerdings ist dafür ein chirurgischer Eingriff erforderlich, welcher jedoch ambulant durchgeführt werden kann. Der entscheidende Vorteil dieses Eingriffs im Vergleich zu vielen anderen Verfahren ist, dass er reversibel ist.

Doch während der Eingriff selbst relativ ungefährlich ist und das Magenband letztendlich wieder entfernt werden kann, birgt es Risiken, wie etwa Infektionen, eine Vormagenerweiterung sowie Probleme im Portbereich. Tatsächlich kommt es in 30 bis 50 Fällen zu einer erneuten Operation.

Das mit dem Magenband vergleichbare Verfahren der Gastroplastiken gilt heutzutage als überholt und wird kaum noch in der Adipositas-Chirurgie angewendet.

Roux-en-Y-Magenbypass

Ein weiteres Erfolg versprechendes aber überaus hitzig diskutiertes Verfahren ist der Roux-en-Y-Magenbypass. Dieser Bypass ist einerseits mit dem Magenband vergleichbar, da er auch den Magen verkleinert, wodurch die Nahrungsaufnahme verringert wird. Aber zudem wird die Darmpassage operativ verkleinert, damit auch das Ausmaß der Nahrungsaufnahme, also die Verwertung der Nahrung verringert wird.

Diese irreversible Darmverkleinerung betrachten viele Kritiker als sehr verwerflich, da ein eigentlich gesundes Organ verstümmelt wird. Zudem kann die absichtliche Verschlechterung der Nahrungsverwertung auf lange Sicht unabsehbare Risiken für den Patienten darstellen. Auf jeden Fall muss der Patient sein Leben lang Spurenelemente, Proteine und Vitamine zuführen. Allerdings ist dies bei den meisten Verfahren der Adipositas-Chirurgie zwingend erforderlich.