Hat Altersdiabetes wirklich etwas mit „Alter“ zu tun?

26. Juli 2012

Rund um Diabetes

Altersdiabetes ist in unserer Alltagssprache ein stehender Begriff. Er assoziiert, dass diese Form der Zuckerkrankheit erst im höheren Lebensalter auftritt. Aus Sicht der Medizin stimmt diese – ursprünglich auch „offiziell“ genutzte Definition – schon längst nicht mehr. Die Erkrankung an einem Altersdiabetes ist zumindest heute an kein bestimmtes Lebensalter mehr gebunden und betrifft auch Jugendliche oder sogar Kinder. Von anderen Diabetes-Formen unterscheidet er sich durch seine physiologischen Hintergründe.

Diabetes Typ 1 und 2 – die Unterschiede

Die Zuckerkrankheit – lateinisch „Diabetes mellitus“ (der „süße Fluss“) ist seit dem Altertum bekannt. Gemeinsam ist allen Diabetes-Formen, dass der Körper durch den gestörten Zuckerstoffwechsel die Kohlehydrate aus der Nahrung nicht mehr verwerten kann, wodurch sich der Zuckergehalt des Blutes dauerhaft oder temporär erhöht. Verantwortlich dafür sind das vollständige oder relative Fehlen des Bauchspeicheldrüsen-Hormons Insulin oder dessen abgeschwächte Wirksamkeit.

Bei einem Diabetes Typ 1 sterben – durch Autoimmunreaktionen und/oder Folge bakterieller oder viraler Infektionen – die Langerhansschen Zellen ab, die in der Bauchspeicheldrüse das Insulin erzeugen. Diabetiker dieses Typs sind lebenslang auf die äußere Zufuhr von Insulin durch Spritzen angewiesen.

Als Altersdiabetes wurde früher der Diabetes Typ 2 bezeichnet. Die Bauchspeicheldrüse dieser Diabetiker produziert zwar noch eine gewisse Menge Insulin – ihr Körper ist jedoch nicht mehr fähig, das Hormon angemessen einzusetzen. Die Ursachen dafür liegen heute vor allem in einer insgesamt ungesunden Lebensweise respektive Bewegungsmangel, Übergewicht und Fehlernährung. Von den rund sieben Millionen Diabetikern in Deutschland leiden rund 90 Prozent an Altersdiabetes. Ein Diabetes Typ 2 ist oft – im Zusammenwirken von Insulinresistenz, Fettleibigkeit, krankhaften Blutfett-Werten, Bluthochdruck und anderen Herz-Kreislauf-Krankheiten – ein Faktor des sogenannten „metabolischen Syndroms“ und damit einer expliziten „Zivilisationserkrankung“. Bei vielen Menschen wirken sich auch erbliche Faktoren aus.

Therapie des Altersdiabetes – Änderung der Lebensweise

Die Diagnose des Altersdiabetes ist aufgrund der unspezifischen Symptome nicht immer einfach. Typisch sind unter anderem unstillbarer Durst und Hunger, häufiger Harndrang, Müdigkeit oder auch ein unerklärlicher Gewichtsverlust, die oft jedoch erst bei deutlich erhöhten Blutzuckerwerten eine Rolle spielen. Wer diese Symptome bei sich verspürt, sollte sie beim nächsten Arztbesuch unbedingt zum Thema machen. Für Patienten über 50 Jahre empfehlen Ärzte einmal pro Jahr einen Zucker-Test als Standard-Untersuchung. Als Therapie kommen eine grundsätzliche Änderung der Lebensweise – inklusive Diätprogramm und Sport – sowie gegebenenfalls die zusätzliche Gabe von Insulin in Frage.

Comments are closed.